Die Kindertransporte

 

Mit den Kindertransporten traten über 10.000 Kinder, die als »jüdisch« im Sinne der Nürnberger Gesetze galten, zwischen Ende November 1938 und dem 1. September 1939 die Ausreise aus Deutschland, Österreich, Tschechoslowakei und Polen nach Großbritannien an.
Wenige Tage nach dem Novemberpogrom (Reichskristallnacht) am 9.auf 10. November 1938 lockerte die britische Regierung die Einreisebestimmungen, und es erging ein Aufruf an die britischen Familien, Pflegekinder aufzunehmen. Es durften nun jüdische Kinder bis zum Alter von 17 Jahren einwandern, sofern ein Förderer oder eine Pflegefamilie für sie gefunden wurde.
Der erste Transport ist Gertruida Wijsmuller-Meyer, einer einflussreichen  niederländischen Bankiersfrau zu verdanken, die nach Wien fuhr und mit Adolf Eichmann verhandelte. Eichmanns Bedingung war, innerhalb kürzester Zeit 600 jüdische Kinder für die Abfahrt nach England zu sammeln. Für die Kinder selbst war das »Refugee Children Movement« verantwortlich. Die Kinder fuhren mit dem Zug von ihren Heimatbahnhöfen über die Niederlande, meist nach Hoek van Holland, und von dort weiter per Schiff zu der englischen Hafenstadt Harwich.

 

Die Einreise

 

Für die Einreise in Großbritannien waren Garantiesummen für die Reise- und Umsiedlungskosten der Kinder von 50 Pfund (heute ca. 1.500 Euro) notwendig. Die Kinder sollten im Land verteilt werden, sie sollten eine Ausbildung erhalten und später zu ihren Familien zurückkehren. Die britische jüdische Gemeinde verpflichtete sich, die Garantiesummen zu übernehmen. Für jedes Kind musste ein Sponsor gefunden werden, der die 50 Pfund garantierte. Die RCM prüfte die Anträge, Permitnummern, organisierte die Reise mit Zug und Schiff, sorgte für die erste Aufnahme der Kinder in England, für Auswahl der Pflegeeltern, für Platzierung in Familien und Heimen, für Nachbetreuung. Nach Kriegsausbruch war die Weiterwanderung für die Kinder nur schwer möglich. Den Abschiedstermin erfuhren die Eltern zwei bis 14 Tage vor der Abreise. Jedem Kind war erlaubt, einen Koffer, ein Handgepäcksstück und zehn Reichsmark mitzunehmen. Spielzeug war verboten und Wertsachen wurden beschlagnahmt. Die Kinder selbst wurden von den Eltern erst informiert, wenn die Abreise unmittelbar bevorstand. Es war den Eltern nicht erlaubt, die Kinder bis zum Bahnsteig zu begleiten.


Schon nach wenigen Wochen aber überstieg die Anzahl der ankommenden Flüchtlingskinder die angebotenen Pflegeplätze. Manche Kinder wurden in der Folge als kostenloses Dienstpersonal ausgenutzt. Hinzu kam das Leid der kleinen Kinder, die überwiegend die Umstände ihrer Ausreise nicht kannten oder nicht verstanden und oftmals glaubten, ihre Familie habe sie verstoßen. Andere Kinder und Jugendliche litten darunter, dass ihnen die Gefahr, in der die zurückgebliebenen Eltern, Geschwister und andere Verwandte schwebten, durchaus bewusst war, und sie ihnen nicht helfen konnten.
Nach dem Krieg blieben viele Kinder bei den Pflegeeltern, denn ein Großteil davon war durch die Vernichtung der europäischen jüdischen Bevölkerung elternlos.


Kindertransporte aus Wien nach London im Überblick 1938/39

 

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