Einige Gedanken


Erstmalig war es mir möglich, diese wunderbare Ausstellung im November
2006 nach Wien zu bringen. Das Theater Nestroyhof-Hamakom war
damals unser Gastgeber.
Da wir kein Geld für den Rücktransport hatten, blieben die Bilder in
Wien und fanden dank Direktor Hans Hofer der Zwi Peres Chajes Schule
ebendort eine vorübergehende Herberge. Mit einer Unterbrechung, sie
wurden anlässlich der Einweihung der Skulptur „Für das Kind“ in Prag 2010
gezeigt. So entstand bei den Kuratorinnen die Idee, dass die Ausstellung
ganz in Wien bleiben sollte und vielleicht gäbe es irgendwann die Möglichkeit,
sie permanent zu zeigen. Das ist nun möglich, dank der Großzügigkeit
von Herrn Dr. Schweinhammer und seiner Frau Mirella Zamuner, die den
Ausstellungsraum unentgeltlich zur Verfügung stellen. Auch diesmal sind
wir in einer passenden Umgebung. Im Haus wurden zur Zeit des Nazi Regimes
jüdische Familien gezwungen, zu wohnen, bevor sie in die Todeslager
deportiert wurden. Ein Stein der Erinnerung vor dem Haus erinnert daran.
„Für das Kind“ eine Ausstellung, die große Emotionen weckt,
die nachdenklich macht, die Menschen beim Betrachten der Bilder zum
Schmunzeln bringt und zum Weinen. 23 Bilder, aus denen die Sehnsucht
der Kinder nach ihrem zu Hause spricht, auch heute noch. 23 Kinder, die
dank der Voraussicht ihrer Eltern überlebt haben und dank all denen, die
1938/39 in Deutschland, Österreich, in der Tschechoslowakei und in Polen
zehntausend Kindern – hauptsächlich jüdischen – halfen, der Tötungsmaschinerie
des Nazi Regimes zu entkommen, und auf diese Weise zu
überleben. Diese Menschen riskierten dabei ihr Leben!
Der 1. Kindertransport ging am 10. Dezember 1938 von Wien Westbahnhof
nach London, der letzte am 22. August 1939. Jedes Kind durfte nur
einen Koffer mitnehmen. Der Inhalt war streng vorgeschrieben – es durften
keine Schmuck- oder Wertgegenstände, kein Geld, Musikinstrumente oder
Kameras dabei sein. Meist fuhren die Züge mitten in der Nacht ab, nur kurz
davor erfuhren die Eltern den Termin und es gab keine Zeit für lange Verabschiedungen.
Diese Gegenstände waren meist die letzte Erinnerung der
Kinder an ihre Eltern und Geschwister. Mehr als zwei Drittel der geretteten
Kinder haben ihre Eltern nie wieder gesehen.
Diese Ausstellung ist weltweit einzigartig und ich freue mich, dass sie
jetzt in Wien ein fixes Zuhause gefunden hat.
Liebe Besucherinnen und Besucher, lassen sie sich auf die Bilder ein.
Es sind nicht „nur“ Bilder, es sind Geschichten von Mädchen und Buben,
die in einer furchtbaren Zeit gelebt haben und mit viel Kraft und Stärke die
Trennung von Eltern und ihrer bisher heilen Welt verkraften mussten.

 

Milli Segal
Initiative und Organisation